Rezension zu »This Isn't Happiness« von Mary Newnham

Seit zehn Jahren verbringen Amy und Josh ihr Leben nun miteinander. Tagsüber in der Schule, in der beide als Lehrkräfte arbeiten, abends Zuhause. Die Beziehung verläuft in ruhigen, gewohnten Bahnen. Und doch wird die Verlobung seit Jahren in die Länge gezogen: berufliche Veränderungen, Sparen für Traumhaus und -hochzeit – immer hat etwas Vorrang vor dem nächsten Schritt. Bis die beiden zu Neujahr von Joshs Familie vor vollendete Tatsachen gestellt werden: ein gesetzter Termin Ende Februar, die gebuchte Location, informierte Gäste – kein Raum für Ausflüchte mehr. Denn Joshs Familie reicht es, der demente Opa soll die Hochzeit seines Enkels erleben, beschließt Joshs übergriffige Mutter. Überfordert und geschockt bleibt Amy nichts anderes, als Ja zu sagen, denn auch von Josh kommt kein Veto. Mit einem Hochzeitstermin in wenigen Wochen, kann sich Amy der Wahrheit um den Zustand ihrer Beziehung jedoch nicht länger entziehen: Ihr Liebesleben ist nicht nur eingeschlafen, sondern schlicht tot. Denn die Strichliste in ihrem Notizbuch ist eindeutig: 135 Nächte ohne Intimität. Ohne Aussicht auf Änderung. Denn Josh zeigt keinerlei Interesse mehr an Amy, verbringt seine Zeit wie ein Besessener im Fitnessstudio und will die Abende nur nebeneinander auf der Couch verbringen. Währenddessen findet Amy regelmäßig Zuflucht in einem Astronomie-Podcast und in der sexy Stimme des Sprechers. Wie konnte es nur so weit kommen? Wie können sie so guten Gewissens heiraten? Während Amy sich den Kopf zerbricht und versucht, frischen Wind in ihre Beziehung zu bringen, geht Josh ins Fitnessstudio und scheint weder ein Problem in ihrer Beziehung noch Amys Bemühungen wahrzunehmen. Und dann ist da auch noch die Aussicht auf Beförderung auf der Arbeit, die Amy unbedingt bekommen möchte.

»This Isn’t Happiness« war mal wieder ein Roman wie eine gute Netflix-Serie  – unterhaltsam, soghaft, relatable. Klar, die Geschichte ist keine neue, aber sie ist mit Herz und Humor erzählt und dadurch eben doch wieder auf ihre Weise besonders und einzigartig. Und obwohl dieses Buch nach Beziehungsroman aussieht, ist es doch viel mehr – denn es geht nicht weniger auch um berufliche Verwirklichung, Misogynie am Arbeitsplatz, Freundinnenschaft, weibliche Lust, Selbstverwirklichung und das komplizierte Geflecht von Familien. Ein Buch wie das Leben, mit allen Facetten, Ups and Downs und über eine junge Frau Ende ihrer Zwanziger, die herausfindet, was sie sich vom Leben, ihren Beziehungen und ihrer beruflichen Zukunft erwartet. Das mitzuerleben hat einfach nur Spaß gemacht, auch durch die wunderbaren Freundinnen und neuen Bekanntschaften, die Amys Weg begleiten. Gleichzeitig habe ich mich wahnsinnig aufgeregt über Josh, seine co-abhängige Beziehung zu seiner Mutter und seine Persönlichkeit, die darauf aufbaut, dass andere ihm sagen, was er zu tun hat. Eigeninitiative? Nein. Unter dem Aspekt war die Beziehung zwischen Amy und Josh sehr faszinierend zu beobachten, denn sowohl in der Gegenwart als auch in den Rückblenden ihrer Beziehung wird deutlich, wie sehr Amy sein Verhalten enabled. Eine Erkenntnis, die langsam und nach und nach in Amys Bewusstsein eindringt und ihre gewohnten Beziehungsmuster auf eine harte Probe stellen wird. »This Isn’t Happiness« ist eine wichtige Erkenntnis – dementsprechend zu reagieren und nach dem persönlichen Glück zu suchen, entgegen der Erwartungen, ist mutig. Und Amys Geschichte eine, die ich wirklich gerne gelesen habe.




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Daten zum Buch
Titel: This Isn't Happiness
Autor*in: Mary Newnham
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen übersetzt von Johanna Czerny
Verlag: Pola
Paperback | 368 Seiten | ISBN: 978-3-7596-0037-0

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