Rezension zu »Eifelbande« von Rudolf Jagusch
Hauptkommissar Hotte Fischbach konnte noch kaum den Schock verarbeiten, seine angeblich leibliche Tochter kennengelernt zu haben, die völlig unerwartet vor der Tür stand, schon wird er am nächsten Morgen zu einem Tatort gerufen: Eine junge, unbekannte Frau wurde Opfer eines brutalen Mordanschlags, im Krankenhaus kämpft sie verzweifelt um ihr Leben, nachdem sie mehrmals mit einem Kleintransporter überfahren wurde. Ein Jugendlicher hat alles gesehen – wichtige Spuren, die doch ins Leere laufen. Bis Hotte ein furchtbarer Verdacht ereilt, der sich kurz darauf bestätigt: Die Schwerverletzte entpuppt sich als jene Frau, die er gerade erst als seine Tochter kennengelernt hat. Ein möglicher Interessenkonflikt, den Hotte für sich behält – denn er muss ermitteln. Gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Jan Welscher macht sich Hotte auf die Suche nach der Wahrheit – und gerät dabei mitten hinein in ein kompliziertes Beziehungsgeflecht und einen aktuellen Entführungsfall, der unmittelbar mit dem Mordanschlag in Verbindung zu stehen scheint. Welche Geheimnisse verbergen sich hinter der Eifler Idylle?
Jetzt bin ich in letzter Zeit keine große Kriminalroman-Leserin mehr, weil mir das Genre meist zu vorhersehbar geworden ist und ich Spannung meist vergeblich suche. Umso neugieriger war ich auf »Eifelbande« – und ich wurde positiv überrascht! Auch dieser Eifelkrimi ist keiner, der wahnsinnig viel Spannung aufbaut, aber – und das macht es für mich wieder wett – er weiß, zu unterhalten. Es war ein spaßiger literarischer Ausflug in die Eifel, der mich vor allem durch die beiden Hauptfiguren Hotte Fischbach und Jan Welscher überzeugt hat. Hotte ist ein manchmal grummeliges, aber liebenswertes Eifler Original mit viel Herz und aufgrund seiner Vergangenheit auch viel Feingefühl, der in diesem Band mit allerlei privaten und beruflichen Veränderungen konfrontiert wird – eine Herausforderung für den Gewohnheitsmenschen. Jan Welscher wiederum ist das genaue Gegenteil: jung, aus Köln, voller Tatendrang und – sehr erfrischend in dem Genre – offen schwul. Die beiden Gegensätze funktionieren wunderbar zusammen und bilden ein Ermittlerduo, das ich wirklich gerne begleitet habe. »Eifelbande« spielt mit einem typischen Eifler Provinzfeeling und dazugehörigen Klischees, ist dabei aber absolut modern und mit Bedacht geschrieben. Einzig die zeitliche Einordnung des Buchs – die gesamte Handlung spielt im Wesentlichen in der drei Jahre zurücklegenden Vergangenheit, während Hotte in der Gegenwart, die nur als Rahmenhandlung dient, zu einem ominösen, schicksalsträchtigen Treffen geht – hat sich mir nicht so wirklich erschlossen. Vielleicht fehlt mir hier Vorwissen aus vorherigen Bänden der Reihe? Alles in allem aber ein Kriminalroman, den ich wirklich gern gelesen habe!
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