Rezension zu »Die schwarzen Juwelen – Bluttochter« von Anne Bishop
Jahrhunderte ist es her, seit eine Hexe die Ankunft einer Königin vorhergesagt hat, deren Macht und Magie alle bisherigen Königinnen in den Schatten stellen wird, die je geherrscht haben. Was einst ein Hoffnungsschimmer für den Kriegerprinzen Daemon Sadi und dessen Bruder Lucivar Yaslana war, ist inzwischen nichts mehr als eine vage Erinnerung. Zu viel Zeit ist vergangen, zu viele Jahrhunderte des Leids und Schmerzes als Sklaven von Königinnen. Und doch suchen die Königinnen, Hexen und einflussreichen Männer der Reiche noch immer nach dem Kind, von der die Prophezeiung sprach – den wer die mächtigste Frau im Land kontrolliert, hält selbst deren Macht und Magie in den Händen. Bis eines Tages ein junges Mädchen vor Saetan, dem Höllenfürsten, steht. Mitten im Vorhof der Hölle, einem Ort, an den sich niemand so einfach verwirren sollte. Jaenelle scheint anders zu sein, besonders. Mit einer unglaublichen Macht an Magie und keinerlei Kontrolle. Saetan versteht schnell, wen er vor sich hat. Seine Seelentochter, die Königin der Prophezeiung. Ein Kind, mit jetzt schon mehr Macht als der Teufel persönlich. Schnell schließt er sie in sein Herz, bildet sie aus, ist für sie da – mehr kann er nicht tun, sein Schicksal liegt in ihren Händen. Als Daemon Jaenelle begegnet, spürt er es sofort: Er steht vor seiner künftigen Königin, vor der Frau, die einst seine große Liebe sein wird, seine Rettung. Doch noch ist sie ein Kind, weiß nichts von Prophezeiungen, von Liebe und den Ränkespielen der Mächtigen. Gleichzeitig lastet jetzt schon tiefer Schmerz an ihren Schultern, ein Verständnis und Wissen und die Gräuel der Welt und Menschen in ihr. Während Saetan und Daemon auf ihre jeweils ganz eigene Art versuchen, Jaenelle zu beschützen, zieht sich die Schlinge um sie unaufhörlich enger. Denn ein derart besonderes Kind bleibt nicht lange unbemerkt. Und die Geier kreisen bereits.
Ich liebe eine gute Romantasy, doch bin ich gewöhnlich nicht im Dark-Genre unterwegs. »Die schwarzen Juwelen – Bluttochter« war ein Versuch, ein Verlassen meiner Komfortzone. Und so habe ich diesen Reihenauftakt gleichermaßen neugierig als auch mulmig auf mich zukommen lassen. Was soll ich sagen? Ich wurde positiv überrascht! Denn diese Reihe ist keine, die mensch einfach mal so nebenbei liest, nein, sie erfordert Konzentration und Aufmerksamkeit. »Die schwarzen Juwelen« spielen in einer der komplexesten Welten, die mir im Bereich Fantasy bisher begegnet ist. Und auch das Magie-System steht dem Worldbuilding in nichts nach. Allein mir all die Namen zu merken hat eine Weile und Nachdenken erfordert (ein Personenverzeichnis wäre an der Stelle wirklich hilfreich gewesen). Und doch hat sie mich langsam in ihren Bann gezogen, diese völlig fremde, düstere und grausame Welt. Ich glaube nicht, dass diese Welt für jede*n etwas ist, in der Kombination aus Schwarzen Witwen, Jahrhunderte alten Hexen und Kriegern, männlichen Sexsklaven mit Penisringen zum Zweck der Kontrolle und Folter, sexualisierten Kindern und Einhörnern und Spinnenwesen ist wirklich viel los. Aber: Es hat für mich funktioniert. Weil es ein Spiel mit Dominanz ist, hier werden Männer von Frauen ausgenutzt, zum Spaß erniedrigt und gefoltert. Hier wird Kindern leider viel zu reale Gewalt von furchtbaren Männern angetan. Hier sind Frauen die mächtigsten Wesen. Hier herrscht Trauma und Schmerz und Angst. Die Dunkelheit der menschlichen Psyche wird vor den Leser*innen ausgebreitet, ja, aber – und das ist der springende Punkt für mich, der diese Dark Romantasy von meinen bisherigen Leseerfahrungen im Dark-Bereich unterscheidet – hier wird nichts romantisiert oder glorifiziert. Leid darf Leid sein, anderes Leid beeinflussen, weh tun. Außerdem kommt das Buch ohne Spice aus, Sex ist in diesem Reihenauftakt kein Genuss, sondern Mittel zur Ausübung von Macht und Kontrolle, und wird auch nur als solches dargestellt. Und doch existiert Liebe. In anderer Hinsicht. Saetan ist vielleicht der liebenswerteste Bösewicht, der mir je untergekommen ist. Der Teufel, der zu einer Art Großvater für Jaenelle wird, sie in sein Herz schließt, beschützt, lehrt und sich um sie sorgt.
Dieses Buch ist weit weg von unproblematisch, und ich empfehle allen Interessierten, einen Blick auf die Trigger-Warnung im Buch zu werfen, es ist düster und soul-shattering, aber es ist eben auch fesselnd und spannend und komplex und hat dem Begriff des »Dark« für mich um eine ganz neue, unerwartete Ebene ergänzt. Ich für meinen Teil bin hooked und werde die Reihe, die übrigens eine wirklich schön gestaltete Neuauflage ist, definitiv weiterverfolgen.
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