Rezension zu »Große Lieben« von Katharina Hartwell
Inga und Maren sind 13, als sie sich im Tennisclub kennenlernen. Aus den beiden werden schnell beste Freundinnen, obwohl sie auf unterschiedliche Schulen gehen und die beiden auf den ersten Blick wenig verbindet: Maren kommt aus gutem Hause, lebt in einem Haus mit Swimmingpool. Inga dagegen wohnt am anderen Ende von Hanau, in einfachen Verhältnissen in einem Hochhaus. Maren ist ruhig und besonnen, Inga findet schwer Anschluss. Doch gemeinsam überleben sie die Jugend als junge Frauen in den 1990er-Jahren und wachsen zu noch unterschiedlicheren Frauen heran: Mit 23 folgt Maren dem vorbestimmten Weg ihrer Familie und studiert etwas, mit Hand und Fuß. Inga dagegen, die schon immer vom Leben als Autorin träumte, wählt Literaturwissenschaft und Gender Studies. Sie eignet sich das Rüstzeug an, die bestehende Ordnung zu hinterfragen – und eckt dadurch außerhalb ihres universitären Umfelds immer wieder an. Mit dem Traum vom Schreiben klappt es auch eher schlecht als recht, das Geld ist knapp, doch die Hoffnung groß. Irgendwann liegen sie hinter ihnen, ihre 20er – doch die erhoffte Ruhe stellt sich auch in den 30ern nicht ein: Endlich ist Inga eine veröffentlichte Schriftstellerin, doch der große Ruhm bleibt aus. Stattdessen wird sie ungeplant schwanger und lässt sich ein auf dieses Kapitel – eine Erfahrung, die Maren trotz aller Versuche verwehrt bleibt. Eine zusätzliche Belastungsprobe für die beiden Freundinnen, die sich immer weiter auseinanderleben.
Kennt ihr das, wenn die Vorfreude auf ein Buch unendlich groß ist und am Ende leider besser war als das Leseerlebnis an sich? So ging es mir zuletzt mit »Große Lieben«. Auf der Leipziger Buchmesse letztes Jahr habe ich das Buch am Stand gegenüber eigentlich die ganze Zeit über träumerisch betrachtet – und dann doch nicht mitgenommen. Seitdem war es auf meiner Wunschliste. Zehn Monate später habe ich es mir endlich gekauft – viel Zeit also, meine Vorfreude ins Unermessliche zu steigern. Leider hat mich der Inhalt nicht in selbem Maße glücklich gemacht. Ich habe Inga als extrem anstrengend, selbstzentriert und unsympathisch empfunden – sowohl als 13- als auch als 33-Jährige. Ich habe mich zunehmend häufig gefragt, warum Maren überhaupt mit ihr befreundet blieb, denn sie hat aus meiner Sicht kaum etwas aus dieser einseitigen Beziehung mitnehmen können. Eigentlich wollte ich abbrechen, aber meine Vorfreude hat mich weiterlesen lassen – einerseits bin ich froh, weil der dritte und letzte Teil deutlich interessanter wurde, andererseits konnte mir das Buch in Gänze trotzdem wenig mitgeben. Ja, es geht um die potenziellen großen Lieben im Leben einer Frau: die beste Freundin, eine Leidenschaft, der/die Partner*in, ein Kind – aber wirklich packen konnte mich Ingas Geschichte bzw. diese Geschichte einer Freundinnenschaft leider nicht.
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