Rezension zu »Fighting Like A Woman« von Andrea Böhm
»Auf der vermeintlich ›natürlichen‹ physischen Überlegenheit und Aggressivität, über die letzten Jahrtausende immer wieder religiös und juristisch kodifiziert, beruht das männliche Gewaltmonopol. Es ist die Grundlage jeder patriarchalen Herrschaft, die wiederum alle anderen sozialen Hierarchien durchzieht.«
Der Glaube an das männliche Gewaltmonopol ist im Kampf um Gleichberechtigung eine Hürde für Frauen, die noch immer als unverrückbar gilt. Noch immer gelten Frauen als körperlich schwächer, als weniger aggressiv und gewaltbereit. Doch stimmt das überhaupt – oder ist auch diese Ansicht ein Standpfeiler des Patriarchats zur Kleinhaltung von Frauen? Dieser Frage geht die Journalistin Andrea Böhm in ihrem Sachbuch »Fighting Like A Woman – Die Geschichte der Frauen, die zurückschlagen« auf die Spur. Um Antworten zu finden, reist sie um die ganze Welt – nach Mexiko, Deutschland, Kenia, in die USA und an viele weitere Orte. Dort trifft sie Frauen, die zurückschlagen, auf jede erdenkliche Weise: Ringerinnen, die gegen ihre Opferrolle kämpfen, trans Frauen, die sich Orte erobern, Schülerinnen, die lernen, was Wut bewirken kann, Frauen, die Selbstverteidigung lernen, Soldatinnen, die von einer feministischen Utopie inmitten des Krieges träumen – die Liste wäre endlos fortsetzbar. Immer wieder wirft Böhm auch einen Blick in die Vergangenheit, in die verschiedenen Wellen des Feminismus und auch Frauen, die bereits in vergangenen Jahrhunderten taten, was Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt auch heute tun: kämpfen. Im wörtlichen und übertragenen Sinn.
»Fighting Like A Woman« war eine ganz andere Art von Sachbuch. Und auch, wenn mich das Buch nicht in Gänze packen konnte und zwischendurch immer mal wieder ein wenig verloren hat – ich kann leider nicht so richtig sagen, warum –, war es sehr spannend und interessant, starke Frauen und Mädchen kennenzulernen, die für sich, ihre Körper, ihre Selbstbestimmung, ihre Zukunft kämpfen. Mit Fäusten, mit Worten, mit Ideen. Als besonders interessant und wichtig habe ich empfunden, dass dies kein Sachbuch nur über Frauen ist. Denn Böhm führt auch ein Beispiel an, in dem Männer ihren Beitrag leisten: So existiert in Kenia neben Klassen zur Selbstverteidigung für Mädchen, inzwischen auch ein Training für Jungs. Dort lernen sie, oft entgegen der Tradition ihrer Umgebung, Frauen mit Respekt zu behandeln, wie sie eingreifen können, sollten sie einen Übergriff mitbekommen, wie sie misogynen Äußerungen ihrer Freunde entgegentreten. Kurzum: Wie sie Männer sind, die keine Gefahr für Frauen sind. »Fighting Like A Woman« ist ein interessanter und für mich neuer Beitrag im Kampf und Gleichberechtigung, der die patriarchale Vorherrschaft des männlichen Gewaltmonopols nicht nur auf eine harte Probe stellt, sondern Stück für Stück, Frau für Frau, dekonstruiert.
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