Rezension zu »The Names« von Florence Knapp
1987 ist Cora mit ihrer kleinen Tochter Maia auf dem Weg zum Amt. Im Arm hält sie ihren Sohn, um offiziell seine Geburt anzumelden und ihm einen Namen zu geben. Noch weiß sie nicht, welcher Name es werden soll. Coras Mann Gordon, ein angesehener Arzt, erwartet, dass sein Sohn nach ihm benannt wird – wie alle Männer der Familie. Doch Cora hadert mit dem Namen, steht er doch für eine Linie an dominanten, herrischen Männern. Wie Gordon, der Cora regelmäßig emotional und körperlich misshandelt. Ist das wirklich der Name, den auch ihr Sohn tragen soll? Doch was passiert, wenn sie auf die kleine Maia hört, die ihren Bruder allzu gerne Bear nennen würde – oder auf sich selbst, die ihrem Sohn gerne den Namen Julian geben würde, ein unbelasteter Name, der das Aufwachsen als eigenständige Persönlichkeit erlauben könnte? Ab diesem Moment schlägt das Leben drei Wege ein: als Gordon, als Bear und als Julian. Mit jedem Namen sind andere Lebenswege verbunden, eine andere Variante des Jungen und ein anderes Schicksal für Cora, Maia und Gordon Senior.
Welche Bedeutung hat der Name eines Kindes für dessen Leben – und für die Leben derer in seinem Umfeld? Dieser Frage geht »The Names« auf gefühlvolle, wunderschöne und schmerzvolle Weise nach. Denn am Ende geht es viel weniger um den Namen, sondern um die Entscheidungen, die damit verbunden sind. Es geht um Cora, die sich entweder still den Wünschen ihres kontrollsüchtigen und gewalttätigen Ehemannes beugt oder mit den Konsequenzen ihres Aufbegehrens leben muss. Es ist ein Roman über Familie, über eheliche Gewalt, über Kinder-Eltern-Beziehungen, über Lebensentscheidungen, Selbstermächtigung, Freude, Schmerz und Leben. In Zeitsprüngen von immer sieben Jahren verfolgen wir das Leben von Gordon/Bear/Julian bis 2022. Ich bin in allen drei Varianten versunken, habe mit Cora, Maia und Gordon/Bear/Julian mitgefühlt, habe mich in gedanklichen »Was wäre wenn«s verloren und das Buch am Ende mit ein paar Tränen im Auge und der Gewissheit beiseitegelegt, dass, ganz egal welche Entscheidungen wir auch treffen mögen, das Leben für uns immer Schmerz und Schönheit bereithalten wird. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, bei dem durch Zauberhand alles gut wird, aber wir haben trotzdem Macht. Handlungsmacht, Entscheidungsmacht, die Macht, für uns und andere zu kämpfen, die Macht der Liebe. »The Names« hat so weh getan. »The Names« hat so gut getan. »The Names« hat sich einen Platz in meinem Herzen gesichert und ich habe die absolute Gewissheit, dass ich irgendwann zurückkehren werde zu diesem Buch, um es erneut zu lesen und mich erneut zwischen den Zeilen und in den Varianten eines Lebens zu verlieren.
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