Rezension zu »Wir können doch Freunde bleiben« von Katja Lewina

»Jede Beziehung, auch eine, die nicht funktioniert hat, bringt uns weiter. […] Sie macht uns reicher an Erfahrung und klarer in dem, was wir wirklich wollen. Von der Liebe. Vom Leben. Und von uns selbst.«

Über die Liebe ist viel geschrieben worden. Doch was ist mit den Trennungen? Was ist mit dem Satz »Wir können doch Freund*innen bleiben«, den die meisten im Laufe einer Trennung vermutlich schon mal gehört oder selbst gesagt haben? Wie viele, die diesen Satz gehört oder gesagt haben, haben es ernst gemeint – oder tatsächlich geschafft? Was ist mit den hässlichen Trennungen? Denen, die Herzen brechen, in denen in der eigenen oder der Geschichte des/der anderen zum/zur Bösen wird? In »Wir können doch Freunde bleiben« wirft Katja Lewina einen Blick genau darauf, den Trennungsgeschichten aus der Hölle. Zur Recherche hat sie sich mit Freund*innen, Bekannten, Leser*innen und Fremden getroffen, die sich ihr geöffnet und ihre ganz persönlichen Schlussmach-Geschichten erzählt haben. Menschen, die verlassen wurden. Menschen, die verlassen haben. Menschen, die noch immer vermissen. Menschen, für die die Trennung im Nachhinein das Beste war, das ihnen passieren konnte. Einvernehmliche Trennungen, schmerzliche Trennungen, Trennungen, für die mensch sich später schämt. Es wird chaotisch, es wird hässlich, es wird traurig, es wird ermutigend – Trennungen, so bunt wie das Leben und so vielschichtig und komplex, wie Menschen nun mal sind.

»Eine Beziehung sollte uns mehr geben als nehmen. Sie sollte uns wachsen lassen, nicht schrumpfen. Und manchmal bedeutet Wachstum eben auch, den Mut zu haben, etwas zu beenden.«

»Wir können doch Freunde bleiben« war so gewohnt unterhaltsam und kurzweilig, wie nur Katja Lewina über das Leben und das (Ent)Lieben schreiben kann. Ich glaube, es ist das bisher am wenigsten im Gedächtnis bleibende Buch für mich gewesen, ein wenig zu wenig Katja Lewina und zu viele andere Stimmen, aber das macht nichts, denn gelesen habe ich es trotzdem gerne. Denn dieses Buch erfüllt einen ganz konkreten Zweck und das macht es niedrigschwellig, lebens- und realitätsnah und durch die verschiedenen Perspektiven ganz unaufdringlich und doch präsent: Es zeigt, dass es nicht nur völlig normal, sondern darüber hinaus absolut okay ist, dass eine jede Beziehung, so schön und erfüllend sie vielleicht mal gewesen sein mag, ein Ablaufdatum haben kann. Weil Menschen sich weiterentwickeln – aber eben nicht immer gemeinsam oder in dieselbe Richtung. Kein Weltuntergang, sondern Leben. Rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, unangenehme Fragen zu stellen, aufs eigene Gefühl zu hören, spart Kraft, Schmerzen und wertvolle Lebenszeit. Ich schätze die Ehrlichkeit der Menschen, die Katja Lewina für »Wir können doch Freunde bleiben« ihre Geschichten erzählt haben. Weil sie Unterhaltung sind, ja, aber vor allem auch Lehrstunde, Warnung, Hinweis und Bestärkung.

»Denn letztendlich ist das Leben zu kurz, um es mit jemandem zu verbringen, bei dem wir uns kleiner fühlen, als wir sind. Zu kurz, um ständig zu hoffen, dass es irgendwann besser wird. Zu kurz, um nicht nach unserem eigenen Glück zu suchen.«




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Daten zum Buch
Titel: Wir können doch Freunde bleiben
Autor*in: Katja Lewina
Sprache: Deutsch
Verlag: DuMont
Hardcover | 208 Seiten | ISBN: 978-3-7558-0044-6

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