Rezension zu »Weißer Sommer« von Eva Pramschüfer
Als Alma und Théo sich kennenlernen, treffen Welten aufeinander. Sie ist auf Urlaub im Ferienhaus ihrer Familie in Frankreich, stammt aus wohlhabebenden, aber emotinal distanzierten Verhältnissen, der Vater Anwalt, die Mutter eine ehemalige Ballerina. Sie selbst studiert Journalismus und träumt doch davon, einmal Malerin zu werden. Er ist Steinmetzmeister, der Sohn eines alleinerziehenden, liebenden, aber finanziell schlecht dastehenden Vaters und arbeitet notgedrungen im väterlichen Betrieb, verdient sein Geld mit dem Schleifen von Grabsteinen, anstatt seine Liebe zur Bildhauerei zur verfolgen. Die Geschichte zwischen ihnen ist der Beginn von etwas Großem, das fühlen beide in diesem flirrenden Sommer, den sie gemeinsam unter der französischen Sonne verbringen. Doch der Sommer endet und Alma muss zurück nach München. Lange halten es die beiden jedoch nicht ohne einander aus und bald lässt Théo sein vertrautes Leben hinter sich, zieht zu Alma in ihre Altbauwohnung, beginnt ein Architekturstudium. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache, fremde Menschen und neue Herausforderungen. Doch Liebe ist dazu in der Lage, vieles wett zu machen, Liebe ist vieles wert. Nur dass inzwischen, zwei Jahre später, alles anders ist. Obwohl sie sich noch immer lieben, liegt ihre Beziehung in Trümmern. Gibt es noch eine Chance für ihre gemeinsame Zukunft oder ist Liebe manchmal schlicht nicht genug? Um Antworten zu finden, kehren die beiden zurück an den Ort, an dem ihre Geschichte begann. Und während sie in einem weiteren französischen Sommer versuchen, Klarheit darüber zu erlangen, ob sie aneinander festhalten oder loslassen sollen, blicken sie beide zurück auf ihre gemeinsame Zeit.
»Weißer Sommer« kreiert eine Stimmung, die sich wie ein Mantel über seine Lesenden legt, uns einhüllt und immer tiefer mithineinzieht in die Geschichte. Eine Art Sog, drückend, ehrlich, über die Möglichkeiten und die Grenzen von Liebe. Über zwei Menschen, die einmal alles für einander waren, die sich auseinandergelebt und in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben statt gemeinsam zu wachsen. Eva Pramschüfer schafft es hier, mit beeindruckender Präzision und Feingefühl über eine zutiefst menschliche Erfahrung zu schreiben, die wohl alle berührt, die jemals verliebt waren. Es ist diese Jugendliebe, die so unglaublich intensiv ist und so verletzlich und brüchig zugleich. Weil so viel passiert, Persönlichkeiten entstehen und sich ändern, Lebensträume und -wege geformt werden, alles im Wandel ist und oft noch das Wissen fehlt, was Liebe darf und kann und nicht sein sollte. Oft noch die Erfahrung fehlt, welche Kraft in echtem Vertrauen steckt, wie viel gemeinsam nebeneinander entstehen kann, ohne dass es sich anfühlt, als wäre es ein erdrückendes »wir oder«, sondern ein starkes »wir und«. Es ist dieses »wir oder« in dem Alma und Théo verloren gehen, taumeln, sich festhalten, sich einengen, scheitern und leben, lieben und suchen. Und so ist dieser Roman Jugend, ist Liebe, ist Verliebtsein, ist Herzschmerz und ein intimer Einblick in etwas sehr Echtes, ins Leben.
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