Rezension zu »Weird Girls« von Gráinne O'Hare

Die Zwanziger sind dazu da, gelebt zu werden. Um Fehler zu machen, sich auszuprobieren, sich mitten hinein zu stürzen ins Leben, selbst und auch gerade dann, wenn vielleicht noch nicht so klar ist, wohin das Leben eigentlich gehen soll. Eine Maxime, nach der die besten Freundinnen Maggie, Harley, Róise und Lydia in Belfast in vollen Zügen gelebt haben. Gemeinsam in einer WG teilten sie alle Höhen und Tiefen miteinander. Doch nach dem tragischen Unfalltod von Lydia ist nichts mehr so, wie es vorher war, auch wenn sich die Drei alle Mühe geben, so zu tun als ob: Harley verliert sich zunehmend im Partyleben, Maggie fokussiert sich trotz ihrer Therapie komplett auf eine toxische Situationship und Róise hasst ihren Job, flirtet aber zunehmend intensiv mit ihrem Chef. Während der Alltag passiert, treiben die Freundinnen auseinander, müssen sich neu ordnen, alte Unstimmigkeiten hinter sich lassen, nach vorne schauen, in einer Welt, in der das leere Zimmer in ihrer WG als klaffende Wunde des Verlusts immer spürbar ist. Parties, Drogen und Alkohol, das Verdrängen der Gefühle und die Weigerung, erwachsen zu werden, stellen die drei jungen Frauen dabei auf eine harte Probe, im Leben wie in ihrer Freundinnenschaft.

»Weird Girls« erzählt von einem Coming of Age in den Zwanzigern, das überschattet ist von Trauer und dem Versuch, diese zu bewältigen. In erster Linie ist dieser Roman eine Geschichte über Freundinnenschaft, mit allen Facetten, Höhen und Tiefen, die diese ausmachen und formen. Über das Frausein und füreinander da sein, über das Bestehen und das Pflegen von Freundinnenschaften neben romantischen Beziehungen, über Exzess und verdrängte Sorgen, über Unzufriedenheit im Job, Unsicherheiten und Unklarheiten darüber, was jemand vom Leben will. Im Wesentlich also ein Buch über das normale Chaos des Lebens junger Menschen, viel mehr ordinary als weird girls. Und genau da liegt für mich der Punkt, weswegen ich ein wenig hadere mit mir und der Geschichte: Denn obwohl ich sie gern gelesen habe, fehlte mir so ein klein wenig die Message, das Besondere, die Tiefe. Es ist vielmehr eine Alltagsbeobachtung, ein Einblick in ein paar eng miteinander verbundene Leben und deren alltägliche Kämpfe miteinander und allem, was so ein Leben in den Zwanzigern eben ausmacht. Interessant, ja, aber für mich irgendwie etwas zu sehr an der Oberfläche bleibend. Die Verarbeitung des Verlusts, das Navigieren im Leben und die Herausforderungen innerhalb der Freundinnenschaft der drei Frauen hätten für mich gerne noch ausgearbeiteter sein dürfen, um wirklich nachzuhallen. So bleibt es ein angehmenes (und wirklich unglaublich schön gestaltetes Buch), das mich kurzweilig unterhalten hat, aber langfristig leider keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.




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Daten zum Buch
Titel: Weird Girls
Autor*in: Gráinne O'Hare
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen übersetzt von Anna-Nina Kroll
Verlag: kiwi space
Hardcover | 320 Seiten | ISBN: 978-3-462-01327-6

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