Rezension zu »Fünf, sechs, sieben, acht« von Ewald Arenz
Anton ist Tänzer. Sein Leben lang, der Stepptanz als Lebensbestimmung. Und Anton ist sechzig. Nicht mehr ganz so schnell wie einst, nicht mehr ganz so gelenkig. Aber alt fühlt er sich doch noch lange nicht. Er ist doch gerade in der Blüte seines Schaffens. Schließlich hat er sich bewährt, verdient seinen Platz als Choreograph am Theater. Wer sollte ihm den auch streitig machen können, bei all seiner Lebenserfahrung? Doch es kommt anders. Die Kündigung setzt Anton zu, plötzlich fühlt er sich alt, überflüssig und abgeschoben aufs unverdiente Abstellgleis. Dass es auch noch seine Tochter ist, jung und voller frischer Ideen, an die er seine Stelle abgeben muss, trifft ihn besonders heftig. Sich für sie zu freuen, scheint unmöglich. Und so fragt sich Anton, mit der eigenen Sterblichkeit und Vergänglichkeit konfrontiert, ob er sich damals in seiner Jugend eigentlich für das richtige Leben entschieden hat. Beruf, Frau, Kind, sein Lebenstraum. Denn in ihm schlummert die Erinnerung an eine alte große Liebe, eine andere Frau aus der Vergangenheit, mit der sein Leben mit Sicherheit ganz andere Wege eingeschlagen hätte. Bessere vielleicht? Kurzentschlossen und geplagt vom Gefühl vertaner Chancen, macht er sich auf die Suche nach dieser Frau, deren Spuren er vor Jahrzehnten verloren hat. Sein Weg führt ihn nach England. Geminsam mit seiner Tochter soll die Reise auch die Vater-Tochter-Beziehung kitten. Doch Antons Stursinnigkeit und Selbstbezogenheit kommen ihm immer wieder in die Quere.
Nicht jedes Buch kann ein Lieblingsbuch sein und so ging es mir mit »Fünf, sechs, sieben, acht«. Obwohl Ewald Arenz gewohnt feinfühlig, nah und emotinal ehrlich eine Geschichte erzählt, blieb diese mir doch mehr auf Distanz, als ich es von seinen Romanen bisher gewohnt und verwöhnt bin. Ich glaube tatsächlich, dass das in diesem Fall zu großen Teilen an mir selbst liegt, an dem Punkt, an dem ich mich im Leben befinde, an den Dingen, die mich beschäftigen und an den Themen, die ich gerne lese. Denn diese Verbundenheit und Involviertheit zu den Figuren, die ich sonst von Ewald Arenz' Büchern kenne, die fehlte mir. Anton bliebt mir fremd, blieb distanziert und mir auf gewisse Art auch unsympathisch. Ich habe mich etwas schwer getan damit, Mitgefühl zu entwickeln für diesen verbitterten Mann, der das Älterwerden als persönlichen Affront auffasst, der sich in seinem Ego und seiner gefühlten Relevanz verletzt fühlt, der austeilt, ohne einstecken zu können, der seine Tochter von sich stößt, weil er mit sich selbst und seinen Emotionen überfordert ist. Ich glaube, dass Arenz hier ein interessantes Thema in unserer Gesellschaft aufgreift: Augenmerk lenkt auf die Ängste und Sorgen einer alternden Generation von Männern, und versucht, uns diese näher zu bringen. Ob das den persönlichen Geschmack trifft, ist eine andere Frage. Ich für meinen Teil war hier auf Grund der Ausgangsprämisse eher skeptisch und hatte mit Anton etwas zu kämpfen. Arenz' Schreibstil, seine Feinfühligkeit und die Entwicklung von Anton über das Buch hinweg, haben mich am Ende doch ausgesöhnt mit der Geschichte. Mein Liebling unter den Arenz' Titeln wird sie jedoch in diesem Leben wohl nicht mehr werden.
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