Rezension zu »Breakup Season« von Sophie White
Clara, Ollie, Maggie, Fionn, Annie und Conor sind weit mehr als drei Pärchen in ihren 40ern. Denn die Sechs verbindet untereinander eine Freund*innenschaft, die zwanzig Jahre in ihre College-Zeit zurückreicht. Seitdem sind sie älter geworden, haben sich weiterentwickelt und verändert. Jede*r für sich, aber auch ihre Beziehungen zueinander. Fionn, der aufstrebende Schauspieler, wurde erst in seinen 40ern weltberühmt und will seitdem immer höher, schneller, weiter in Hollywood. Die Karriere als Theaterautorin seiner Frau Maggie wiederum liegt schon seit Jahren, genauer gesagt seit der Geburt der Kinder, auf Eis. Und mit Fionn, der monatelang weg ist auf Dreh, ist auch kein Ende in Sicht. Stattdessen fühlt sich Maggie zunehmend unwohl mit dem Blick von außen auf sich und ihren Körper und droht, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Clara und Ollie leben in Irland dagegen in finanziell engeren Verhältnissen, jahrelange Konzentration auf ihre Kinder und das Leben hat die Intimität unbemerkt einschlafen lassen, sodass die beiden inzwischen mehr nebeneiander als wirklich zusammen leben. Annie und Conor, das einzig unverheiratete Paar, wiederum leidet schon geraume Zeit unter dem unerfüllten Kinderwunsch. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr, das Geld für andere Maßnahmen fehlt und der Druck auf die Beziehung wächst mit jedem Mal, an dem der Schwangerschaftstest negativ bleibt. Für alle verspricht der gemeinsame Sommerurlaub in Cape Cod Abstand vor ihren jeweiligen Problemen. Drinks, Tage am Wasser, gute Gespräche sollen eine dringend nötige Abwechslung bieten und die Freund*innen wieder zusammenbringen. Doch die Vorstellung stellt sich bald schon als utopisch heraus. Denn sie alle bringen ihre Probleme, Missgünste und Geheimnisse mit und die Stimmung kippt schnell – unter den Paaren aber auch unter den drei Frauen. Bis am Ende des Urlaubs ein Paar vor der Trennung steht.
Als jemand, die »Hot Mess« gefeiert hat, war mir klar: »Breakup Season« muss ich lesen. Und obwohl es für mich nicht an den emotionalen Hook und die Kraft von »Hot Mess« rankommt, habe ich auch dieses Buch wieder gerne gelesen. Wieder stellt Sophie White Freund*innenschaft in den Vordergrund, jedoch rücken hier diesmal auch hetereonormative Paarbeziehungen mehr in den Fokus. Diese Kombi hat mir gut gefallen, zeigen die Konflikte unter den sechs Personen doch hervorragend, dass eben auch nicht-romantische Beziehungen Arbeit erfordern und ähnlichen Mustern folgen. Im Zentrum stehen die Perspektiven der drei Frauen, deren Leben wir abwechselnd mitverfolgen können. Annie, die schwer damit zu kämpfen hat, dass ihr großer Lebenstraum von der Mutterschaft einfach nicht Realität werden möchte, während ihre beiden Freundinnen ihre Kinder aufziehen und sich über das Muttersein beschweren. Clara, die so gerne wieder mal Zeit für sich hätte, die ihren Job hasst, der die Familie über Wasser hält, die eigentlich nichts nur für sich tut, sondern nur für die anderen existiert, ihren Mann eingeschlossen. Und Maggie, deren Geschichte den meisten Raum einnimmt, die leidet unter der plötzlichen Öffentlichkeit ihres Lebens, unter dem ständigen Bewertetwerden und Kommentaren zu ihrem Äußeren, unter den Gerüchten, unter der Einsamkeit. Die sich hässlich fühlt und alt und dick, verglichen mit den Hollywood-Starlets, mit denen sich ihr Mann umgibt und die an dem ganzen Druck zerbricht und ganz langsam wieder abrutscht in die Essstörung. Ich schätze »Breakup Season« für seine Echtheit. Es sind echte und wichtige Themen, die die Frauen beschäftigen: Beziehungsprobleme, Care Arbeit, Mutterschaft, unerfüllter Kinderwunsch, Essstörung und mentale Gesundheit. Und Sophie White geht an diese Themen gewohnt feinfühlig heran, schenkt ihnen Raum und Aufmerksamkeit. Das mochte ich sehr. Besonders Maggies Geschichte hat mich sehr berührt und traurig gestimmt. Und trotzdem blieb mir der Roman etwas mehr auf Abstand, als ich wollte. Vielleicht lag es dieses Mal am Schreibstil, vielleicht bezeichneten sich die Frauen selbst einmal zu oft als alt und verbraucht, war die Fixierung auf die Optik einmal zu viel zu präsent. Irgendwas war da, das mich ein wenig gestört hat, auch wenn ich es nicht ganz greifen und benennen kann. Trotzdem solltet ihr definitiv einen Blick auf »Breakup Season« werfen, wenn ihr Lust habt, auf Unterhaltung mit Tiefgang, auf Freundinnenschaft und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit prägenden Themen der weiblichen Erfahrungswelt.
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